[Rezension] Die Aufforderung des Schlafwandlers zum Tanz - Mira Jacob

Da stürzt sich ein Mann von einer Brücke in Seattle - und Amina schießt das Foto, das berühmt werden wird. Doch wie abgebrüht muss man sein, in einem solchen Moment auf den Auslöser zu drücken? Amina verzeiht sich das nicht, verdingt sich fortan als Hochzeitsfotografin. Als ihr Vater sterbenskrank wird, muss sie sich ihrer bewegten Vergangenheit stellen, einer Geschichte, die in den 70er Jahren in Indien begann und nun in New Mexiko ihren Lauf nimmt. Amina beginnt, die Unwägbarkeiten des Lebens anzunehmen, und sich endlich mit den Geistern ihrer Familie auseinanderzusetzen.
[Quelle: Eichborn Verlag]

Das Leben der Fotografin Amina ändert sich schlagartig als sie eines Tages einen Selbstmörder von seinem Sprung von einer Brücke ablichtet. Amina beschließt sich aus zuerst aus der Fotografie zurückzuziehen und wird später eine ausgezeichnete Hochzeitsfotografin. Als ihr Vater plötzlich anfängt seine tote Mutter zu sehen und mit ihr zu sprechen, reist sie nach Hause um ihre Mutter zu unterstützen. Durch ärztliche Untersuchungen finden sie heraus, dass im Kopf ihres Vater ein Tumor wächst. Zurück zuhause erwachen plötzlich alte Errinerungen in ihr und man schlittert als Leser, durch Aminas unvergessliche Vergangenheit.

Am Schluss des Buches, in der Danksagung, schreibt die Autorin dass sie 10 Jahre lang an diesem Buch gearbeitet hat. Ehrlich gesagt war ich gar nicht so überrascht, den man merkt beim Lesen sehr deutlich das eine Menge Arbeit hinter der Geschichte steckt. Es gibt kein Kapitel, aus dem man nichts Besonderes entnehmen könnte. Man spürt einfach dass diese Worte mit viel Mühe und Liebe geschrieben wurden.

Das Lesen hat mir wirklich sehr großen Spaß gemacht! Selten bin ich in eine so gut ausgearbeitete Familiengeschichte eingetaucht. Durch Rituale und Eigenarten wurde der reale Effekt nur unterstützt. Beispielsweise die Waschbärenschleuder oder Kamalas, Aminas Mutter, Liebe zum Kochen. Sie war sowieso meine absolut liebste Person in diesem Buch. Sie ist so eine fürsorgliche Mutter, obwohl sie sich das nicht anmerken lassen möchte. Sie spielt die Strenge, aber ihr wichtigstes Ziel ist es das ihre Familie glücklich ist. Mir hat es sehr gut gefallen, dass ich auch andere Charaktere wie die Protagonistin Amina, ihren Bruder, ihren Vater und ihre beste Freundin so gut kennen lernen durfte. In diesem Buch gibt es auch keine kleine, eher nebensächliche Liebesgeschichte die sich glücklicherweise nicht zu sehr in den Hauptgrund rückt.

Zwischendurch ist die Geschichte lange nur 'dahin geplätschert', das heißt es fehlten die Auf und Ab's eines guten Buches. Überraschenderweise wurde das Buch aber nicht langweilig, sondern von Kapitel zu Kapitel immer komplexer und interessanter für mich. Stilistisch möchte ich aber trotzdem anmerken dass es im ganzen Buch eigentlich zu keinem richtigen Höhepunkt kommt, besonders da es ziemlich umfassend um Aminas Leben geht und keinem speziellen Bereich gewidmet ist. Es geht sowohl um ihre Vergangenheit, weshalb es im Buch viele Rückblenden gibt, die Fotografie, die Liebe, Loslassen und Familienzusammengehörig.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, obwohl ich anfangs ein paar Probleme mit den langen Sätzen hatte. Die Autorin arbeitet mit vielen Kommas und Einschüben. Ich mag Kommas, aber oft hatte ich am Ende des Satzes schon wieder vergessen wie er angefangen hat oder war von den Einschüben verwirrt. Natürlich kam man mit langen Sätze sehr gut Gefühle, Orte und Personen beschreiben, aber ich war doch sehr froh dass die Autorin immer mehr auf die Wurm-Sätze verzichtete. Schlussendlich fielen sie mir entweder gar nicht mehr auf oder sie waren wirklich angenehmer zu lesen. Grundsätzlich gefiel mir das Ende, des doch recht dicken Buches, sehr gut. Alle behandelten Themen fanden ihren Abschluss und ich muss sagen dass ich sehr froh darüber bin so ein schönes, lebendiges Buch gelesen zu haben.
Trotz einiger langer Stellen wurde es nicht langweilig, diese schöne Geschichte zu lesen. Mit tollen Charakteren und einer überraschenden Lebendigkeit konnte mich die Autorin Mira Jacob absolut fesseln.
4/5 Sterne

Vielen Dank an Blogg dein Buch und den Eichborn Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Kommentare:

  1. Das klingt wirklich nach einem schönen Buch! Werd es mir mal merken :) komisch, hab davon irgendwie noch gar nichts gehört...und das Cover gefällt mir auch sehr! :D

    Liebe Grüße,
    Karin

    AntwortenLöschen
  2. Das Buch hört sich sehr gut an und zehn Jahre... Wow, das ist eine verdammt lange Zeit!
    Liebst, Emme ♥

    AntwortenLöschen
  3. Lieblings-Jasi-Mausi ♥

    Du hast mich überzeugt, das Buch wandert sofort auf die Wunschliste >.<
    Dabei kann ich es mir nicht leisten, noch mehr Bücher zuzulegen und diese zu lesen. Keine Zeit, kein Geld :(

    Wundervolle Rezension! ♥♥♥

    AntwortenLöschen
  4. Liebste Jasi,

    das war mal wieder eine tolle Rezi!

    Ich sehe gerade dass du "Mein Herz und andere schwarze Löcher" liest und bin daher gespannt auf deine Meinung. Hab schon viel von dem Buch gehört, bin aber noch skeptisch ob ich es mir zulegen soll.

    Ich wünsch dir einen schönen Brückentag - wir haben ja morgen frei JUHU - und dann ein tolles Wochenende! :o)

    LG Sarah

    AntwortenLöschen
  5. Hallo liebste Jasi,
    eine sehr schöne Rezension. Ich konnte leider nicht besonders viel anfangen mit dem Buch. Aber zum Glück sind ja nicht alle Geschmäcker gleich :D
    Ich habe deine Rezension verlinkt, ich hoffe das ist ok für dich:
    http://misshappyreading.blogspot.de/2015/05/rezension-die-aufforderung-des.html
    Liebste Grüße
    Nadine

    AntwortenLöschen

Wollt ihr mir einen Kommentar hinterlassen?
Danke ♥ Das freut mich!
Aber bitte kein Spam oder Beleidigungen.